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Januar 7, 2014

Mit dem Sprung geht’s los

Eine Zusammenstellung

Für eine Weile beobachtete ich ihn, wie er sich über dem Pool von einem Ring zum anderen hangelte. Er lässt es so leicht erscheinen, so mühelos, wie er sich über das Wasser hangelt, wie ein Turner. „Ich werde es versuchen“, erklärte ich meinem Mann und stemmte mich aus dem Wasser. „Ich werde diese Sache mit den Ringen versuchen.“

„Echt? Für mich scheint es sehr viel schwieriger, als es aussieht“, erwiderte Brad.

„Ich werde es aber trotzdem versuchen“, entgegnete ich und ging in Richtung Warteschlange.

Es spielt keine Rolle, dass ich Arme wie ein Gummiband habe. Es spielt keine Rolle, dass ich ganze 6 Liegestützen zustande bekomme. Ich werde mit den Ringen fertig werden. Ich werde von Ring zu Ring über das Becken schwingen wie Jane aus dem Dschungel.

Fröstelnd stelle mich hinter sechs Muskelprotzen an. Die Tatsache, dass keine andere Frau in der Reihe steht, gibt mir nur geringfügig zu denken. Der eine Mann, den ich vorher beobachtete, gleitet jedes Mal elegant über das Wasser, wenn er an der Reihe ist, und greift nach den Ringen und löst sich von ihnen im geschmeidigen Rhythmus. Ich beobachte ihn, studiere seine Technik, achte auf seinen Takt.

Dann bin ich schließlich an der Reihe. Ich wische mir meine Hände an meinen nackten Beinen ab und ergreife den Ring mit der Rechten, nehme einen gigantischen Schritt rückwärts und mache einen gewaltigen Satz vom Rand des Betonbodens.

Ich schaffe es nicht einmal bis zum zweiten Ring, Stattdessen schwinge ich vorwärts, fuchtel in der Luft mit meiner Linken herum, verpasse völlig den zweiten Ring, schaukel wieder zurück und lasse zur Unzeit meinen Ring los. Ich knalle gegen die Betonwand und gleite wie ein toter Fisch ins kalte Wasser.

Ich komme hoch und pruste, Neugierige schauen vom Beckenrand und rufen, „geht es dir gut?“ Einer sagt einfach, „Aua“.

Noah redet immer noch über „ das eine Mal, als Mutti gegen den Beckenrand knallte und ins Wasser fiel und alle Leute zuschauten.“ Mich schüttelt es, wenn ich daran denke, wie ich wohl ausgesehen haben mag, mit meinem dummen Herumgestrampel in meinem Tankini und wie mein Körper gleich einem Stück Rindfleisch am Haken gegen die Wand klatscht.

Dennoch tut es mit nicht leid, die Tarzanringe ausprobiert zu haben. Abgesehen von meinem angeschlagenen Ego, bin ich froh, alles gegeben zu haben.

Ich habe oft Sprünge in meinem Leben gewagt, besonders in den letzten Jahren. Ich „sprang“ in einen Umzug nach Nebraska (nun, vielleicht sollten wir das besser nennen, „war gegen ihren Willen dorthin verschleppt worden.“ Ich machte einen Sprung in den Glauben. Ich machte einen Sprung, um zu schreiben. Letztens machte ich einen Sprung, um öffentlich zu reden. Und an einem Punkt bei all den Sprüngen klatschte ich gegen eine Wand – eine Wand der Enttäuschungen, Zweifel, Fehler, Frustrationen und Angst.

Sprünge zu machen, flößt Angst ein. Aber dennoch glaube ich, es ist trotz der Risiken und Ängste notwendig. Denn wenn man niemals springt, weiß man auch nicht was passiert wäre, wenn. Und was gewesen wäre, wenn, denn das hätte schon einen riesigen Unterschied ausmachen können.

Für mich hat das Springen den Unterschied zwischen Glaube und Unglaube ausgemacht, zwischen einem passiven und einem leidenschaftlichen Leben, zwischen bequem in einer Schachtel leben und aufblühen in der Wildnis.

Klar, fällt man manchmal, wenn man springt; manchmal donnert man hart gegen eine Wand und bekommt keine Luft mehr. Doch manchmal steigt man auf. Man ist es sich im Moment vielleicht nicht bewusst, doch mit dem Sprung schwingt man sich in den Beginn von etwas Neuem, etwas Wunderbarem, etwas, das das Leben verändert und gut ist.

Es geht alles los mit dem Sprung. – Michelle DeRusha 1

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Wenn du also meine Fußspur vor dir oder neben dir auftauchen siehst und du spürst, wie mein Hauch des Geistes dich zu ihr drängt, mach den Schritt. Es kann ein ganz banaler und gewöhnlicher Schritt sein, oder es verlangt einen Sprung im Glauben, um ihn zu erreichen, aber was es auch ist, folge mir! Das ist der erste Schritt in Richtung Neuland, etwas, das die Welt verändert! Wer weiß, wohin die Fußspur führen wird und was du am Ende des Pfades vorfinden wirst. Setze einfach weiterhin einen Fuß des Gehorsams vor den anderen; folge dem, was ich dir zu tun auftrage, und gehe dahin, wohin ich dich schicke. Schließlich wirst du an dem Punkt ankommen, den ich für dich bestimmt habe. Ich werde dich dort treffen, wenn du mir folgst und gehorchst! – Jesus in Prophezeiung

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Afrikanische Antilopen sind erstaunliche Kreaturen, die bis zu 3 Meter hoch und mehr als 30 Meter weit springen können. Wohingegen man Antilopen im Zoo in einem Gehege mit einem 1 Meter hohen Zaun halten kann. Warum? Antilopen springen nicht, wenn sie nicht sehen können, wo sie mit ihren Läufen landen werden. Haben wir etwas mit den Antilopen gemeinsam? Wir könnten große Schritte im Glauben machen, doch weigern wir uns, wenn wir nicht sehen, wo wir landen werden?

George Müller sagte über den Glauben, „Glaube bewegt sich nicht im Bereich des Möglichen. Es gibt nichts Ruhmreiches in dem, was menschlich möglich ist. Glaube beginnt dort, wo die Fähigkeit des Menschen endet.“

In biblischen Begriffen: „Was ist nun also der Glaube? Er ist das Vertrauen darauf, dass das, was wir hoffen, sich erfüllen wird, und die Überzeugung, dass das, was man nicht sieht, existiert.“ 2 Wahrer Glaube vermag den Landevorgang nicht vorauszusehen … er springt einfach voller Überzeugung, dass er geschehen wird. Denk daran, biblischer Glaube beginnt dort, wo unsere Möglichkeiten sich erschöpfen! – George Witten 3

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Der kleine Junge muss um die vier Jahre alt gewesen sein. Ich schaute neugierig zu, wie sein Vater zum Ende des Sprungbretts auf der tiefen Seite des Schwimmbeckens ging und ihm beibringen wollte, wie man taucht. Der Junge freute sich bei dem Platsch, den sein Vater beim Aufprall auf dem Wasser machte. Als ihn sein Vater aber aufforderte zu springen, machte er einen ängstlichen Schritt rückwärts. „Es ist nicht schlimm“, versicherte ihm sein Vater, „Ich fang dich auf.“

Nach einigem Drängen wagte sich der Junge ans Ende des Sprungbretts, wippte dort und deutete wild seinem Vater unten im Wasser, näher zu kommen. „Nein Papi, ein bisschen mehr hier lang! … Nein dahin!“, hörte ich ihn rufen. Das ging so weiter, bis ich mir sicher war, er würde den Sprung wagen. Doch im letzten Moment machte er einen Rückzieher, drehte sich um und ging zurück an den Beckenrand.

Sein Vater, geduldig aber dennoch beharrlich, wie Väter manchmal sein können, drängte ihn, nicht aufzugeben, und überredete ihn schließlich, ans Ende des Sprungbretts zu kommen. Die ganze Prozedur wiederholte sich etliche Male, bis der Junge endlich in die wartenden Arme des Vaters sprang. Er war so stolz auf sich! Der Ausdruck auf seines Vaters Gesicht sprach Bände, dennoch konnte er es sich nicht verkneifen, ihn zu loben: „Du hast es geschafft, mein Sohn! Ich bin stolz auf dich!“

Lächelnd dachte ich daran, wie ich doch gelegentlich wie dieser kleine Junge bin. Für etliche Monate versuchte ich, nun meine Zelte abzubrechen und in eine andere Stadt zu ziehen, wo neue Arbeit, neue Erfahrungen und neue Freunde auf mich warten. Ich bekam zwar viel Ansporn von allen Seiten, dahingehend, dass diese Veränderung für mich gut sein wird, machte mir aber immer wieder Sorgen, wie es alles kommen würde.

Gott sagt: „Keine Sorge! Springe einfach drauf los! Ich steh genau vor dir und werde dich auffangen! Ich werde dich nicht enttäuschen!“

Dennoch widerspreche ich: „Okay, ich spring, doch kannst du bitte etwas näher kommen? Kannst du ein bisschen hier her kommen oder ein bisschen nach da, damit ich mich sicherer fühle?“

Gott, der unendlich geduldiger ist als jeder irdische Vater es je sein könnte, versichert mir unaufhörlich, Ihm vertrauen zu können. Und natürlich hat Er recht! Es war immer schon da, um mich aufzufangen, und niemand freut sich mehr über meine kleinen Siege wie Er. Darum werde ich auch den Sprung wagen. – Lilia Potters

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Mein Herz, vertrau dem Herrn,
Voll Glaube und unerschrocken.
Gott wird bis ins Detail erfüllen,
Was Er uns hat versprochen.
Verfasser unbekannt

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Dann kommt dieser fürchterliche Moment, wenn du auf deinen Zehen auf dem Sprungbrett wippst, 10 Meter über dem Wasser, und du dich fragst, ob du ganz genau auftreffen, wie du eintauchen und ob du den Sprung überleben wirst. Du neigst dich langsam vorwärts, die Schwerkraft macht von da aus weiter, und du schlägst mit einem Platsch auf dem Wasser auf! Es gibt den aufregenden Moment der Spannung, in dem du mit größter Leichtigkeit durch die Luft fliegst und nicht genau weißt, was dich bei der Landung erwartet. Aber nachdem du dich endlich entschlossen hast und gesprungen bist, befindest du dich zu deiner Erleichterung im Wasser und gleitest tief unter der Oberfläche schwungvoll nach oben, platzt hinauf in die Luft und den Sonnenschein mit einem Erfolgsgefühl und stellst fest, dass es gar nicht so schlimm war, wie du es befürchtet hattest! Du hast es geschafft! Es kostete dich Glaube, Können, Mut und Waghalsigkeit – somit hattest du die Befriedigung, etwas Neues, Aufregendes erreicht zu haben. Du hast es geschafft, hast es heil überstanden, kein Haar ist dir gekrümmt worden, und du könntest es gleich noch einmal versuchen!

Aber der Moment am Abgrund, die Sekunde, die du durch die Luft schwirrst mit über deinem Kopf ausgestreckten Händen, so als wehrtest du das Wasser ab, dem du entgegenrast, kann dir den Atem rauben und das Herz zum Stocken bringen, kurz bevor du im Wasser landest! Es gibt dir ein Gefühl ungeheurer Freiheit, aber auch entsetzlicher Gefahr, ein völliges Freiheitsgefühl von den Fesseln des Erdverbundenen, aber auch ein fast erschreckendes Gewahrwerden, dass es bald mit einem gewaltigen Aufprall enden wird, von dem du nicht weißt, ob du ihn in einem Stück überleben wirst!

Dazu benötigt man wahren Glauben, echten Mut, wahres Können und ein sich endlich dem Raum zwischen Sprungbrett und Wasser Überlassen. Du weißt nicht, wie du landen wirst, doch betest du, alles unversehrt zu überstehen und von der Menge bejubelt zu werden. Es ist ein unvergesslicher Kick – und nur diejenigen, die es erlebt haben, wissen, wovon ich rede. Es gibt nichts, womit man es vergleichen kann. Dieser Wagemut, dieses Draufgängertum und das Außerachtlassen möglicher Konsequenzen, das sich völlig dem „Fall“ Hingeben, ungeachtet der Folgen, denn du bist überzeugt von der Richtigkeit und dem größten Kick der Welt! Wir sind ins Unbekannte aufgebrochen und verlassen uns auf Gott, uns beizustehen, weil wir Seinen Willen befolgen. – David Brandt Berg 5

Erschienen auf Anker im Januar 2014.