Zimmerzeit

September 11, 2019

William B. McGrath
(Closet Time)

Zwei Bücher, die mir einen außergewöhnlichen Einblick in die Berichte der neutestamentlichen Bibel geben, sind The Wind of the Spirit(Der Wind des Geistes) und The Life and Teaching of Jesus Christ(Das Leben und die Lehren Jesu) von James Stewart. Wenn ich mir eine Bibel nehme und die Geschichten einfach nur „durchlese“, kann ich leicht viele der wichtigen Prinzipien und Lebenslektionen verpassen, die darin enthalten sind. Obwohl ich die Bibel seit Jahren lese, kann ich etwas von dem, was wichtig ist, übersehen. Aber diese Erkenntnis wurde von anderen bemerkt und darüber geschrieben. Ich bin immer wieder erstaunt und überrascht, wenn mir von einem Autor eines solchen Buches ein neuer Einblick in die Bibelgeschichten gewährt wird. Nachdem ich die Geschichte so oft gelesen habe, denke ich oft: Warum habe ich das nicht schon vorher gesehen?

In seinem Buch Der Jesus, den ich nie kannte, kommentierte Philip Yancey: „Ein Wissenschaftler der University of Chicago schätzt, dass in den letzten zwanzig Jahren mehr über Jesus geschrieben wurde als in den vorangegangenen neunzehn Jahrhunderten.“ Die Bücher und Schriften, die wir jetzt haben, sind so vielfältig, und sie unterscheiden sich in Ansatz, Qualität und Stil, je nach Charakter des Autors. Viele der Schriften, die am meisten zu mir gesprochen haben, wurden von Autoren mit unwahrscheinlichen Hintergründen geschrieben, Leute, die sich nicht als jemand Besonderen ausgaben, aber sie sind (oder waren) Männer und Frauen Gottes, die für viele ein großer Segen sind. Sie übten sich darin, auf die lebendige Stimme Seines Wortes zu hören, und sie genossen ihre „Zeit in der Kammer“ oder „im Zimmer“. Vom ersten Jahrhundert bis zur Gegenwart haben diese Männer und Frauen zu dem riesigen geistigen Schatz beigetragen, der uns allen zur Verfügung steht.

Mein Lesezimmer ist umgeben von meinen Lieblingsbüchern von vielen dieser Menschen. Ich schätze Bücher in der Hand mehr als eine elektronische Bibliothek. Obwohl ich eine Fülle von qualitativ hochwertigem Material zur Auswahl habe, habe ich manchmal das Gefühl, dass mir die Zeit im Lesezimmer fehlt. Ich fragte mich, was ich falsch machte. Dann nahm ich eines Tages ein kleines Taschenbuch, das ich in einer christlichen Buchhandlung gefunden hatte, „Die tägliche Erneuerung des Gläubigen“ (The Believer's Daily Renewal)von Andrew Murray. Meine Erneuerung war in letzter Zeit etwas trocken gewesen, so dass dieses Buch für mich genau zur richtigen Zeit kam. Obwohl das Buch vor über einem Jahrhundert geschrieben wurde, waren die Worte frisch und lebendig und der Rat hat mir wirklich geholfen.

Andrew Murray half mir zu erkennen, ein Teil meines Problems bestand darin, dass ich dazu übergegangen war, Gottes Wort derart zu behandeln, nicht wirklich zu erwarten, Gott würde dadurch zu mir sprechen. Ich kann anfangen, das Wort auf  eine obligatorische Art und Weise zu lesen, aus Pflichtgefühl heraus, routinemäßig.

Hier ist ein Schlüsselvers über unsere stille Zeit, von der das Buch spricht: „Wenn du betest, geh in dein Zimmer, schließ die Tür, und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dann wird dein Vater, der ins Verborgene sieht, dich belohnen.“ 1Dieser Vers sagt mir, dass der Vater dort ist, an meinem geheimen Ort, an dem ich meine Aufmerksamkeit auf Ihn richte, wo immer das sein mag. Eine neue Verbindung mit Ihm herzustellen ist wichtiger als all der Aufwand an Zeit, den ich mit dem Lesen verbringe, oder wie sorgfältig ich für alle und alles bete. Auch meine Disposition ist wichtig, die Demut zu haben, auf Ihn zu hören, und das bedeutet, bereit zu sein, das zu befolgen, was Seine Anweisungen sind. Und ich muss daran denken, zu vertrauen und keine Angst vor dem zu haben, was Er mir sagen kann. Ich möchte daran erinnern, dass das, was Er mir zu sagen hat, was Er mir vermitteln will, der Höhepunkt und der wichtigste Teil der Zeit in meinem Zimmer ist. Oftmals will Er mir nur Seine Liebe versichern.

Gebet und Bibelstudium und einen Austausch mit Ihm zu haben sind wichtig, aber sie sollen nicht die Erfahrung der Gemeinschaft mit Gott überschatten; das Geben meiner Liebe, meines Lebens und meines Herzens; und das Empfangen Seiner Liebe, Seines Lebens und Herzen von Ihm. Das zu erleben ist etwas ganz Besonderes. Ohne diese Gemeinschaft mit Ihm eingegangen zu sein, auch wenn ich einige gute Bücher gelesen und für viele Situationen gebetet habe, fühle ich immer noch, dass etwas fehlt. Aber sobald ich diese Gemeinschaft mit Ihm erlebt habe, bin ich fest davon überzeugt, dass alles in Ordnung sein wird. Ich kann mich entspannen und brauche mir keine Sorgen zu machen, den ganzen Tag über.

Andrew Murray erwähnt folgende Verse, um uns einen Ausgangspunkt zu geben, wie wir uns der Gegenwart Gottes in unserer Zeit im Zimmer nähern können: „Er zeigt den Demütigen, was richtig ist, und lehrt sie seinen Weg.“ 2„Wie steht es mit dem Menschen, der den Herrn ernst nimmt? Der Herr wird ihm den Weg zeigen, den er gehen soll.“ 3„Ich versichere euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nie ins Himmelreich kommen."4„O Vater, Herr des Himmels und der Erde, ich danke dir, dass du die Wahrheit vor denen verbirgst, die sich selbst für so klug und weise halten. Ich danke dir, dass du sie stattdessen denen enthüllst, die ein kindliches Gemüt haben.“ Ich möchte diese Haltung der kindlichen Empfänglichkeit und Lehrbarkeit kultivieren. Ich möchte bereit und willens sein, meine Abhängigkeit von Gott für alles zu bekennen.

„Dann wird dich dein Vater, der alle Geheimnisse kennt, belohnen.“ 6Wenn ich eine qualitativ hochwertige Zimmerzeit meinem Zimmer genieße, weiß ich, dass Er mich belohnen wird. Er wird mein Leben in die von Ihm vorgesehene Richtung führen. Und Er wird mich belohnen, indem Er mir erlaubt, in meinen Gedanken und meinem Verhalten mehr wie Er selbst zu werden; und das ist es, was ich will, das ist es, was Frieden in mein Herz bringen wird.

Eine gute Zeit im Zimmer verbracht, sorgt für gut Christen. Vielleicht mögen einige die Vorstellung von baby-ähnlicher Abhängigkeit und kindlicher Lernfähigkeit nicht. Aber Jesus lehrte uns, sie zu haben, also muss sie wichtig sein. Für mich war es der Schlüssel, um meine Verbindung zu Ihm zu verbessern. Wenn man darüber nachdenkt, scheint es, dass diese Abhängigkeit das ist, was notwendig ist, um uns den versprochenen Frieden zu bringen, da sie uns davon befreit, alle Lasten des Lebens alleine zu tragen.

 

Wenn Gott spricht, erzittern die hohen Berge;
Wenn Gott spricht, rollen die lauten Wellen;
Wenn Gott spricht, gibt mein Herz dem Zuhören nach,
Und es gibt eine Antwort in meiner Seele.
Wenn Gott spricht, gehorchen Ihm die Engel.
Wenn Gott spricht, regt sich die ganze Natur.
Wenn Gott spricht, werden steinerne Herzen weicher,
Denn es wurde nie eine lieblichere Stimme gehört.
Wenn Gott spricht, liegt es an mir dann zu antworten.
Wenn Gott spricht, meinen Sturm zu stillen,
Wenn Gott spricht, liegt es an mir dann zu folgen,
Und Ihm zu folgen, Seinen Willen zu tun.
Sprich zu meinem Herzen,
Sprich jetzt, ich bitte;
Gott der Erlösung und Herr der Schöpfung,
Oh, sprich noch heute mit meinem Herzen!
– Carlton C. Buck.


  1. Matthäus 6,6 NeÜ.
  2. Psalm 25,9.
  3. Psalm 25,12.
  4. Matthäus 18,3.
  5. Matthäus 11,25, Lukas 10,21.
  6. Matthäus 6,6.
  7. 7.      Einige der geäußerten Ansichten basieren auf The Inner Chamberand the Inner Life, von Andrew Murray, 1905 (wiederveröffentlicht als The Believer's Daily Renewal, 1981).

 

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