Höflichkeit zählt

Juli 24, 2026

Eine Zusammenstellung

[Courtesy Counts]

In Titus 3 ermahnt Paulus Titus: „Erinnere alle daran, sich der Regierung und ihren Vertretern unterzuordnen. Sie sollen gehorsam und zum Guten bereit sein, über niemanden lästern und jedem Streit aus dem Weg gehen. Allen Menschen sollen sie mit Freundlichkeit und Geduld begegnen!“ (Verse 1–2).

Gott sendet seine Kirche nicht mit Prahlerei und großem Mundwerk in die Welt, sondern mit Sanftmut und Höflichkeit – mit der Bereitschaft, Gutes zu tun, Streit zu vermeiden und über niemanden Böses zu reden.

Warum Sanftmut und Höflichkeit? Warum eine so außergewöhnliche Haltung? Paulus führt seine Gründe wie folgt an:

Auch wir waren früher unwissend und ungehorsam. Wir ließen uns in die Irre führen und wurden zu Sklaven vieler Wünsche und Leidenschaften. Unser Leben war voller Bosheit und Neid. Wir hassten die anderen, und sie hassten uns. Doch dann zeigte Gott, unser Retter, uns seine Freundlichkeit und Liebe. Er rettete uns, nicht wegen unserer guten Taten, sondern aufgrund seiner Barmherzigkeit, durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes. Er wusch unsere Schuld ab und schenkte uns durch den Heiligen Geist ein neues Leben. Durch das, was Jesus Christus, unser Retter, für uns getan hat, schenkte er uns den Heiligen Geist. In seiner großen Güte sprach er uns los von unserer Schuld. Nun wissen wir, dass wir das ewige Leben erben werden. (Verse 3–7).

Diejenigen, die durch Gottes Gnade gerettet wurden, sollen auf diejenigen, die dies noch nicht sind, mit Sanftmut und Höflichkeit zugehen und bereit sein, ihnen Gutes zu tun und ihnen nichts Böses anzutun. Wir sollten uns stets vor Augen halten, dass wir – abgesehen von Gottes Erlösungswerk ohne eigenen Verdienst – an derselben ungehorsamen, versklavten Torheit teilhatten.

Unsere Haltung sollte nicht von Wut und Triumphgehabe geprägt sein, sondern von Mitgefühl und Demut. Wir erinnern uns daran, dass es nicht eine politische Debatte oder die Wahlurne war, die uns vor unserer Torheit bewahrt hat, sondern das Evangelium von Jesus und das souveräne Wirken Gottes.

Wir verhalten uns wie genesende Narren, mit Empathie für die Narren. – David Mathis 1

John Boyd war ein junger Mann, der ein Studium absolviert hatte und zuversichtlich war, im Leben Erfolg zu haben. Er war von der Bedeutung der Höflichkeit überzeugt. Tatsächlich war Höflichkeit Teil seiner Lebensphilosophie.

Er bekam eine Stelle als Portier im Repräsentantenhaus in Washington.

Eines Tages ging ein Herr, der wie ein wichtiger Geschäftsmann aussah, auf einen Türsteher zu und fragte ihn, wo er Senator Sergeant aus Kalifornien finden könne.

Der Türsteher, der der Höflichkeit offenbar keinen großen Stellenwert beimaß, machte dem Herrn auf sehr hochmütige Weise klar, dass er schon genug zu tun habe, den Senatoren mit Gepäck zu folgen.

Boyd hörte das Gespräch mit und fand, dass diese Haltung des Portiers nicht mit seinen Grundsätzen im Umgang mit Menschen vereinbar war. Deshalb ging er auf den Herrn zu und versprach ihm, den Senator zu finden, falls dieser sich im Gebäude befände, was der Herr mit großem Dank annahm.

Boyd fand den Senator, und der Geschäftsmann kam später, um ihn zu sprechen.

Sehr dankbar für Boyds Aufmerksamkeit, überreichte der Herr ihm seine Karte und bat ihn, ihn am Nachmittag in seinem Hotel zu besuchen. Als Boyd die Karte betrachtete, war er überrascht, festzustellen, dass dieser unbekannte Herr niemand Geringeres als Collis P. Huntington war, der damals angesehene Präsident der Eisenbahnbaugesellschaft. Er galt als einer der „Großen Vier“ der westlichen Eisenbahnindustrie.

Bei ihrem Treffen im Hotel bot Herr Huntington Boyd eine Stelle in seinem bedeutenden Unternehmen mit einem ausgezeichneten Gehalt an.

„Aber“, sagte der junge Mann, „ich verstehe überhaupt nichts vom Eisenbahngeschäft.“

„Aber Sie wissen, wie man sich als Gentleman benimmt“, erwiderte Mr. Huntington, „und das ist etwas, was vielen nicht bekannt zu sein scheint.“

John Boyd nahm die Stelle an.

Nach einem Jahr wurde sein Gehalt verdoppelt. Später verdreifachte es sich.

Lohnt es sich, höflich zu sein? Natürlich.

Nichts kostet so wenig und ist so viel wert wie Höflichkeit. Sie ist ein äußerer Ausdruck innerer Güte. Sie ist ein Zeichen dafür, dass der Mensch ein edles Herz hat und Freude daran findet, anderen zu dienen.

Erastus Wiman sagte: „Durch Höflichkeit verliert man nie etwas. Sie ist das beste Vergnügen, kostet nichts, doch vermittelt viel.“ – Jesús Salazar²

Oft bin ich angesichts des Zustands der Welt entmutigt. Ich lese die Zeitung und schaue mir die Abendnachrichten an, und manchmal rege ich mich einfach nur auf oder gräme mich! Warum gibt es so viel Zwietracht – warum können die Menschen nicht versuchen, miteinander auszukommen? Jedoch heißt es doch, dass wenn wir mit dem Finger auf andere zeigen, zeigen drei Finger unserer eigenen Hand auf uns selbst zurück. Deshalb frage ich mich dann: Habe ich heute irgendetwas getan, um Teil der Lösung zu sein, und sei es nur in meiner unmittelbaren Umgebung?  Diese hoffnungslose „Was bringt das schon?“- Mentalität ist nicht nur resignierend, sondern einfach keine gute Art, unser Leben zu leben!

Meine Freundin Margaret erzählt folgende Geschichte über einen Vorfall in ihrem großen Wohngebäude:

„In unserem Gebäude gibt es eine Chatgruppe für die Bewohner. Wir nutzen sie für Ankündigungen, um Dinge zu verkaufen oder zu verschenken und manchmal auch, um unserem Frust Luft zu machen. Vor ein paar Tagen waren ein Dutzend oder mehr Leute wütend über eine Meinung, die im Chat geäußert wurde. Es fielen hässliche, heftige und beleidigende Worte.“

„Ich war zutiefst betrübt, aber auch verärgert und aufgebracht und habe überlegt, die Gruppe zu verlassen.“

„Dann hatte ich das Gefühl, dass dies die falsche Reaktion war und dass ich meine Gefühle im Chat teilen sollte, obwohl ich mich selten daran beteilige.“

Also habe ich Gott gebeten, mir zu helfen, mit Liebe und Höflichkeit mit diesen Menschen zu sprechen, die ich nicht kenne und nicht einordnen kann, auch wenn wir uns manchmal im Aufzug begegnen!“

„Ich habe geschrieben, dass es traurig ist, wie wir miteinander umgehen, und dass wir höflich sein sollten – schließlich gibt es ohnehin schon genug Gewalt und Aggression überall. Wir möchten doch nach einem langen Tag nach Hause kommen und dort einen Ort der Geborgenheit und Liebe finden. Ich habe auch geschrieben, dass wir in unserem Haus ein Klima der Ruhe und des Friedens schaffen können, wenn wir höflich und freundlich miteinander umgehen.“

„Ich hatte mit einer Flut von gehässigen und zynischen Antworten gerechnet. Aber nein, es blieb still, mit nur ein paar ‚Likes‘. Ich war dankbar für die Likes und deutete die Stille als Zeichen des Respekts – das Thema war nun abgeschlossen.“

„Ich konnte Gottes Wirken spüren, wie er unsere Herzen heilen wollte. Gestern teilte ich in unserer Online-Gruppe ein inspirierendes Zitat und dankte allen für ihre gute Nachbarschaft. Diesmal gab es mehr Likes, und einige wünschten uns allen sogar einen schönen Tag! Das war eine Premiere!“

„Obwohl ich mich anfangs unsicher gefühlt hatte, war ich froh, eine Alternative zu den aggressiven Kritiken angeboten zu haben. Und wieder einmal zeigt sich:  Ein bisschen Liebe kann viel bewirken.“

Margaretes Eingreifen war einfach, doch es erforderte einiges an Mut und Anstrengung, die richtigen Worte zu finden, um eine potenziell aggressive Situation unter den Bewohnern ihres Wohnhauses zu entschärfen. Das erinnert mich an den Bibelvers: „Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm. – Sprüche 15,1, Sally Garcia

 

Viele Männer scheitern, weil sie die Bedeutung von Freundlichkeit und Höflichkeit gegenüber ihren Untergebenen nicht erkennen. Freundlichkeit zahlt sich immer aus. Und außerdem macht es Spaß, freundlich zu sein. – Charles M. Schwab

 

Wer gütig ist, ist mitfühlend und sanftmütig. Er nimmt Rücksicht auf die Gefühle anderer und verhält sich höflich. Er ist hilfsbereit. Güte verzeiht die Schwächen und Fehler anderer. Güte gilt allen – Alten und Jungen, Tieren, Menschen niedrigen wie hohen Standes. – Ezra Taft Benson

 

Höflichkeit ist ebenso ein Kennzeichen eines Gentlemans wie Mut. – Theodore Roosevelt

 

Die wahre Größe eines Menschen zeigt sich meiner Meinung nach darin, wie er oder sie diejenigen behandelt, gegenüber denen Höflichkeit und Freundlichkeit nicht erwartet wird. – Joseph B. Wirthlin 

 

Der Höflichkeit steht alle Türen offen. – Thomas Fuller

 

Man erkennt einen Baum an seinen Früchten, einen Menschen an seinen Taten. Eine gute Tat ist niemals verloren; wer Höflichkeit sät, erntet Freundschaft, und wer Güte pflanzt, erntet Liebe. – Heiliger Basilius

 


1 David Mathis, “Practicing Politics as Former Fools,” Desiring God, August 29, 2008, https://www.desiringgod.org/articles/practicing-politics-as-former-fools

2 Jesús Salazar, “How Showing Courtesy Can Lead to Success,” Medium, November 21, 2020, https://medium.com/afwp/how-showing-courtesy-can-lead-to-success-8a7477f409cd

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