Kleine Dinge und was wirklich zählt

Juli 17, 2026

Von Christian

[Little Things and What Truly Matters]

In letzter Zeit habe ich es deutlich ruhiger angehen lassen und lerne dadurch, mir Zeit zu nehmen, die kleinen Dinge, die mir regelmäßig widerfahren, wahrzunehmen und darüber nachzudenken. Es ist, als hätte ich ein „zusätzliches Auge.“ Ich kann nicht genau sagen, wann das angefangen hat oder ob es schon immer so war, aber es ist eine große Veränderung für mich, da ich sonst immer sehr arbeitsorientiert war.

Vor ein paar Tagen musste ich Kleidung zu einer Schneiderin bringen, die einen kleinen Laden in unserer Gegend hat. Ich hatte gerade keinen Termin, und auf dem Weg dorthin hörte ich Gottes Stimme: „Frag sie, wie es ihr geht – und dann hör zu.“ Und das befolgte ich.

Dies gab ihr die Möglichkeit, die Schmerzen preiszugeben, die sie seit einigen Monaten unaufhörlich in beiden Knien plagten. Sie fügte hinzu: „Es wird immer schlimmer.“ Sie ist über 60 und in Kombination mit wenig Bewegung und langem Sitzen an der Nähmaschine war etwas gebrochen und beide Menisken waren gerissen.

Wir haben uns unterhalten, doch habe ich hauptsächlich zugehört. Schließlich sagte ich: „Manchmal passieren Dinge, die uns bewusst machen, wie zerbrechlich wir als Menschen sind und wie sehr wir die Hilfe und Heilung unseres Vaters brauchen. Wir werden für dich beten!“

Ich erzählte meiner Frau Cristina von dieser Frau, und wir beschlossen, gemeinsam vorbeizuschauen, damit sie mit ihr sprechen und ihr praktische Ratschläge und spirituelle Unterstützung geben konnte, was sie dann auch sehr zu schätzen wusste. Ich konnte Gottes Wirken darin sehen, dass meine Kleidung Reparatur benötige; es öffnete uns die Tür, um ihren Schmerz und ihre Kämpfe zu erkennen und ihr etwas Erleichterung zu bringen – vor allem die Gewissheit, dass sie geliebt und geschätzt wird. Es zeigte mir auch, wie wichtig es ist, präsent zu sein und keine starren Pläne zu verfolgen.

Als Kind Gottes, als sein Botschafter, steht meine Berufung stets im Vordergrund: für die Seelen da zu sein, die er mir begegnen lässt, ganz gleich, welchen Auftrag ich gerade erfülle. Das ist der wahre Sinn meines Lebens.

Ich bin so glücklich, dass mein Sohn Patrick (22 Jahre) noch bei uns wohnt. Ab und zu fahre ich ihn zur U-Bahn, damit er zur Arbeit kommt. So haben wir Zeit zusammen, und obwohl ich morgens manchmal am liebsten ausschlafen würde, freue ich mich auf diese 15 Minuten. Wir reden nicht immer miteinander oder wechseln nur kurz ein paar Worte, aber es bedeutet uns beiden sehr viel. Es ist für mich ein weiterer Beweis dafür, dass das Leben jetzt stattfindet – im Hier und Jetzt zu leben!

Auf dem Heimweg bringe ich manchmal Brot für unser Team mit. Ich genieße die paar Minuten, in denen ich mich mit der Dame an der Theke, dem Mann aus Bali, der im Hintergrund arbeitet, und auch mit anderen Kunden, die auf ihre Bedienung warten, unterhalte und ihnen Mut zuspreche. Ich sehe, wie sehr sie sich freuen, mich zu sehen; sie fühlen sich wertgeschätzt und wichtig, und das sind sie auch. Hin und wieder gebe ich ihnen ein Exemplar des Magazins „Activated “ mit und weise sie auf Artikel hin, die mich inspiriert und etwas gegeben haben.

Ich schaue auch immer kurz im nahegelegenen Blumenladen vorbei, um die Verkäuferin zu begrüßen. Wir wechseln ein paar Worte, und ich lasse ihr meistens ein Exemplar der neuesten Ausgabe des Activated Magazins da.

Heute Morgen, auf dem Weg zu meinem Auto, hielt ich kurz an, um ein paar Worte mit einem Paar mittleren Alters zu wechseln, das einen Kinderwagen schob. Ich kannte sie zuvor nicht. Man sah ihnen an, dass sie in Gedanken versunken waren und ihre To-do-Listen für den Tag durchgingen. Doch dann, ehe wir uns versahen, unterhielten wir uns angeregt, lächelten und tauschten ein paar ermutigende Worte aus der Bibel aus. Das brachte sie für einen Moment in den Augenblick zurück, in die Gegenwart, zu dem, was wirklich zählt. Ich sagte: „Wenn sie ihren Sohn ansehen, ist es, als würden sie einen Blick in den Himmel erhaschen.“ Für einen Augenblick schien mir, als ob Frieden in ihren Seelen spürbar war, als sie lächelten.

Auf der Heimfahrt fühlte ich mich wie in einer Wolke des Friedens. Dabei kam mir eine Geschichte aus dem Leben des Heiligen Franziskus in den Sinn:

Eines Tages sagte der Heilige Franz von Assisi zu einigen seiner Anhänger: „Lasst uns in das Dorf jenseits des Weges gehen und predigen.“ Unterwegs begegneten sie einem einfachen Wanderer, der schwer beladen war. Franziskus hatte es nicht eilig und hörte sich aufmerksam seine Klagegeschichte an.

Als sie das Dorf erreichten, unterhielt sich Franziskus mit den Ladenbesitzern, verbrachte Zeit mit den Bauern an ihren Obst- und Gemüseständen und spielte mit den Kindern auf der Straße. Auf dem Rückweg trafen sie einen Bauern, der mit einer Heuladung unterwegs war, und Franziskus unterhielt sich ebenfalls mit ihm. Gegen Mittag erreichte die Gruppe das Kloster, von dem aus sie am frühen Morgen aufgebrochen waren.

Einer der Anhänger, der sehr enttäuscht war, sagte zu Franziskus: „Bruder Franziskus, du hast gesagt, du würdest predigen. Der Vormittag ist vergangen und es wurde keine Predigt gehalten.“

Doch der heilige Franziskus antwortete: „Aber wir haben den ganzen Weg über gepredigt.“

Mein Leben war größtenteils auf meine Leistungen ausgerichtet und ich habe mich darauf konzentriert – eine Arbeit aufzubauen und Projekte zu verwirklichen, zu lehren, Zeugnis abzulegen und ganz an vorderster Front zu stehen. An diesen Tätigkeiten ist an sich nichts auszusetzen, und sicherlich gibt es eine Zeit dafür, aber je älter ich werde, desto mehr wird mir bewusst, dass ich etwas aus dem Gleichgewicht geraten war, was dazu führte, dass ich einige Dinge vernachlässigte, die ebenfalls wichtig waren. Ich werde daran erinnert, was Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth schrieb: „Ich will euch aber einen noch besseren Weg zeigen“, als Einleitung zum „Kapitel über die Liebe“ (1. Korinther 12,31–13,3).

Diese Erkenntnis entstand aus meiner wachsenden Einsicht, dass es im Leben nicht nur um große Errungenschaften geht, sondern auch um die kleinen, oft unbemerkten Momente eines jeden Tages, darum zu verstehen, was wirklich zählt – präsent, aufmerksam und offen zu sein für die Menschen, die Gott mir auf den Weg schickt. Ich entdecke neu, dass meine vorrangige Berufung nicht darin besteht, Dinge für Gott zu tun, sondern seine Liebe in der Welt zu verkörpern.

„Im Leben geht es nicht um das Ziel, sondern um den Weg“ ist für mich mehr als nur ein Klischee geworden. Es ist etwas, woran ich fest glaube, und das sich in meiner täglichen Lebensweise widerspiegelt: Ich konzentriere mich weniger auf meine Ziele und Vorgaben und nehme stattdessen den Weg selbst, den Augenblick, die Gegenwart bewusster wahr, um nicht aus den Augen zu verlieren, was wirklich zählt.

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