April 10, 2026
[Beyond Face Value]
Auf dem Weg nach New York, wo ich mit meinem Mann in einer Missionsstation in der Lower East Side arbeiten sollte, machte ich einen Umweg über Boston, während mein Mann direkt zu unserem neuen Wohnort schon vorausging. Nachdem auch ich schließlich in New York City am Busbahnhof angekommen war, ging ich zu einem Taxistand, wohl bewusst, dass es bereits dunkel wurde. Ein mulmiges Gefühl beschlich mich, als ich ein Taxi heranwinkte. Als ich dem Taxifahrer die Adresse der Missionsstation nannte, fragte er barsch und überrascht: „Wirklich?“ Er schaltete den Taxameter ein und fuhr los.
Der Taxameter schien sich schneller zu drehen als die Reifen, während wir uns im Schneckentempo durch den Verkehr durchschlängelten. Der angezeigte Fahrpreis näherte sich rasch dem Betrag, den ich in bar dabei hatte. Als ich ins Taxi einstieg, hatte ich noch gedacht, dass ich, falls ich nicht genug Geld hätte, nach unserer Ankunft in die Mission laufen und den Rest holen könnte, aber jetzt kamen mir Zweifel.
Ich beugte mich vor, um den Fahrer im Schein der vorbeifahrenden Straßenlaternen besser zu sehen. Sein Gesicht hatte die harten, tiefen Falten eines Ex-Häftlings oder eines Gangmitglieds. Eine riesige Narbe zog sich um seinen halben Hals. Mir kamen all die gruseligen Schlagzeilen in den Sinn, die ich über Taxifahrer gelesen hatte. Hatte ich einen schrecklichen Fehler gemacht?
Dann tat ich etwas, was ich schon viel früher hätte tun sollen. Ich betete: O Herr, ich stecke in der Klemme! Bitte beschütze mich und zeige mir, was ich tun kann, um sicher an mein Ziel zu gelangen.
Die Antwort kam sofort, klar und deutlich: Erzähl diesem Mann von mir. Bevor ich mir etwas anderes einfallen lassen konnte, holte ich tief Luft und begann:
„Ich muss Ihnen etwas gestehen. Die Taxifahrt ist teurer als ich erwartete, und ich habe nicht genug Geld dabei. Ich bin auf dem Weg zu einem Missionszentrum, wo mein Mann und ich arbeiten werden. Ich kenne mich in New York nicht so gut aus und habe die Länge der Fahrt unterschätzt. Wenn wir ankommen, werde ich schnell reingehen und Geld holen, ist das OK? Und ich fügte hinzu: mein Mann und ich versuchen, wie Jesus zu leben, indem wir jedem, dem wir begegnen, das Evangelium verkünden, und wir vertrauen darauf, dass er uns Tag für Tag versorgt.“
Da er still blieb fuhr ich fort: „Jeder Mensch muss Gottes Liebe erfahren. Er kann jeden Schmerz, jedes Leid heilen. Er weiß alles über uns und er liebt uns. Haben sie Jesus jemals gebeten, in ihr Herz zu kommen?“
Es herrschte langes, bedrückendes Schweigen, dann ein Husten, dann ein Schniefen. Ich beugte mich vor und sah, wie dem Taxifahrer eine Träne über die Wange rollte.
„Als Kind nahm mich meine Oma immer mit in die Kirche“, erklärte er. „Sie erzählte mir von Jesus. Ich habe sogar mit ihr gebetet. Aber dann starb sie, und seitdem hat niemand mehr mit mir über Jesus gesprochen. Du hast recht. Ich brauche Heilung. Ich habe ein schreckliches Leben geführt. Meine Oma würde sich so schrecklich schämen für all die schlechten Dinge, die ich getan habe. Ich glaube nicht, dass Jesus mir jetzt noch vergeben könnte.“
Nun war es an mir, die Tränen zurückzuhalten. „Jesus hing am Kreuz zwischen zwei Verbrechern. Einer von ihnen bat ihn um Vergebung, und Jesus sagte: ‚Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.‘ Jesus sagte, er sei nicht gekommen, um den Guten oder denen zu predigen, die glaubten, seine Hilfe nicht zu brauchen. Er predigte allen – auch den Ausgestoßenen, den Trunkenbolden und den Prostituierten, den Menschen, die wussten, dass sie ihn brauchten. Er wird auch für dich da sein. Du musst ihn nur um Vergebung bitten, und er wird sie dir gewähren.“
Ich sagte weiter: „Wenn wir ihm unser Leben anvertrauen und akzeptieren, dass er weiß, was wir brauchen, wird er unsere Gebete zu seiner Zeit erhören.“
„Mach dir keine Sorgen ums Geld“, sagte der Taxifahrer. „Ich bringe dich überall hin und bezahle selbst. Was du tust, ist wirklich wichtig, und in dem Stadtteil, in den du fährst, leben viele Menschen, die vom Himmel hören müssen. Ich werde jetzt mehr beten und versuchen, ein besserer Mensch zu werden. Gott hat dich zu mir geschickt.“
Wir kamen an der Mission an, und er stieg aus und half mir mit meinem Gepäck. Ich umarmte ihn und sagte ihm, dass Jesus ihn niemals im Stich lassen würde. Er wartete, bis jemand herauskam, um mich zu begrüßen, dann lächelte er und winkte, als er wegfuhr.
Als ich über diese Begegnung nachdachte, wurde mir bewusst, dass wir beide dadurch Gott näher gekommen waren und seine liebevolle Berührung erfahren hatten. Gottes Liebe ist unendlich, und wenn wir seine Liebe an andere weitergeben, erfahren wir im Gegenzug seine Freude in unserem eigenen Leben. „Gebt, und ihr werdet bekommen. Was ihr verschenkt, wird anständig, ja großzügig bemessen, mit beträchtlicher Zugabe zu euch zurückfließen. Nach dem Maß, mit dem ihr gebt, werdet ihr zurückbekommen.“ – Lukas 6,38 – Joyce Suttin
Zu gelegener und ungelegener Zeit
Zu sagen, Mick sei ein ungepflegter Kerl gewesen, wäre eine Untertreibung. Er hatte langes, ungepflegtes Haar und einen ebensolchen Bart, ihm fehlten Finger und Zähne, er trug unzählige Ringe an den Ohren und am ganzen Körper und war über und über tätowiert. Meine Frau Marianne war in einem örtlichen Krankenhaus, um einen Freund zu besuchen. Mick und seine Freundin waren nach einem Motorradunfall, bei dem beide schwerste Verletzungen erlitten hatten, in dasselbe Krankenhaus eingeliefert worden.
Marianne begann ein Gespräch mit Mick, in der Hoffnung, ihn zu ermutigen und ihm in seiner Not und seinem Leid den Weg zu Gott zu weisen. Mick sollte sein rechtes Bein unterhalb des Knies amputiert werden. Und schon gegen Ende dieses ersten Besuchs konnte Marianne ihm eine Evangeliumsschrift geben und für ihn beten.
Als Marianne zusammen mit mir Mick das nächste Mal besuchten, erholte er sich gerade von der Amputation. Wir fanden ihn aufrecht in seinem Bett sitzend vor, völlig verzweifelt. Kurz darauf überbrachte ihm eine Mitarbeiterin des Krankenhauses eine Nachricht, die Mick noch mehr erschütterte: Die Eltern seiner Freundin hatten eine einstweilige Verfügung erwirkt, die ihm den Kontakt zu ihr untersagte. Er brach in Tränen aus, und wir versuchten, ihn zu trösten.
Dann erzählte uns Mick von seinem Leben. Er war von Geburt an beidseitig schwerhörig. Einige Jahre später erblindete er auf einem Auge durch einen Glassplitter einer zerbrochenen Windschutzscheibe. Mit 14 Jahren verließ er sein Elternhaus und saß seitdem 17 Mal im Gefängnis. Er sei in fast jedem australischen Gefängnis gewesen, sagte er ganz nüchtern. Seine Mutter hatte Selbstmord begangen, und der Rest seiner Familie wollte kaum oder gar keinen Kontakt zu ihm. Wir sprachen mit ihm über unseren Glauben und gaben ihm christliche Literatur zum Lesen.
Aus verschiedenen Gründen konnten wir Mick nicht mehr im Krankenhaus besuchen. Wir schrieben ihm, erhielten aber keine Antwort. Zwei Jahre vergingen, und Mick rief an. Er hatte einen Brief von Marianne gefunden, den sie ihm über zwei Jahre zuvor geschrieben hatte, und beschloss, sie anzurufen. Fast die gesamte Zeit seit unserem letzten Besuch hatte er im Gefängnis verbracht, da das Gericht ihn für den Motorradunfall verantwortlich gemacht hatte.
Wir luden ihn zum Abendessen zu uns ein. Am Tisch erzählte Mick uns mehr über seine Vergangenheit – seinen starken Drogenkonsum, seine Zeiten im Gefängnis und seine Mitgliedschaft in einer Motorradgang. Er war ein ziemlicher Charakter, machte aber keinen Hehl daraus. Er war, wie er war! Schließlich wurde das Gespräch tiefgründiger und drehte sich um Religion und die Bibel. Mick bekräftigte seinen Glauben an Gott.
Wir fragten ihn, ob er beten und Jesus in sein Herz einladen wolle. Mick überlegte kurz und antwortete dann: „Ja, okay.“ Er betete und bat Jesus um Vergebung seiner vergangenen Sünden und Verfehlungen und darum, sein Herr und Retter zu sein.
Wir haben Mick weiterhin besucht und versucht, ihm so gut wie möglich zu helfen, vor allem aber, die bedingungslose Liebe des Herrn zu ihm zu erfahren, ungeachtet seiner Vergangenheit.
„Der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist“, sagt die Bibel, „der HERR aber sieht das Herz an!“ (1. Samuel 16,7). Gott sah hinter Micks rauer Schale, seine Vorstrafen und all das Leid, das er sich und anderen zugefügt hatte, und erkannte ein reuiges Herz, das den Erlöser brauchte. – Michael Lanagan
Jemand beobachtet uns
Auf dem Weg zu einem Termin kam ich an einer heruntergekommenen Bettlerin mit einem Baby im Arm vorbei. Das ist ein alltäglicher Anblick in Caracas, Venezuela, wo sich auch diese Szene ereignete.
Gib ihr etwas. Ich erkannte Jesu Stimme, die zu meinem Herzen sprach.
„Aber sie sieht so aus, als würde sie es für Drogen ausgeben“, protestierte ich, während ich weiterging.
Na dann kauf ihr etwas zu essen.
Genau in diesem Moment kam ich an einem Hotdog-Stand vorbei. Ich bestellte schnell einen Hotdog und brachte ihn der Frau. Als ich ihn ihr reichte, sagte ich ihr, dass Jesus sie liebte und bot an, für sie zu beten. Sie nahm an, und wir senkten die Köpfe und beteten direkt dort auf der Straße.
Einige Tage später hielt ich an demselben Stand an, um mir selbst einen Hotdog zu holen, aber der Verkäufer wollte kein Geld von mir. „Ich habe gesehen, was Sie neulich gemacht haben“, sagte er. „Sie haben der obdachlosen Frau nicht nur einen Hotdog gekauft, sondern auch mit ihr gebetet. Ich bin seit 15 Jahren hier. Tausende Menschen gehen täglich an meinem Stand vorbei, aber so etwas habe ich noch nie gesehen!“
Durch diese Erfahrung habe ich gelernt, dass andere zusehen, wenn wir Gottes Liebe weitergeben und Bedürftigen helfen, selbst im Kleinen. Wir können nie wissen, wie weit unser Zeugnis reicht oder wie Gott uns gebrauchen kann, um andere dazu zu ermutigen, es ihm gleichzutun. – Kevin Sosa
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