März 20, 2026
[The Call to Forgiveness]
In den Evangelien lesen wir, dass Jesus ausgepeitscht, verhöhnt, geschlagen und dann ans Kreuz genagelt wurde. Als er dort hing und auf den Tod wartete, lauteten einige seiner letzten Worte: „Vater, vergib ihnen“ (Lukas 23,34). Vergebung war seine Antwort auf einen ungerechten Prozess, auf die Peitschenhiebe, die ihm unvorstellbare Schmerzen zufügten, auf die Nägel, die durch seine Hände und Füße geschlagen wurden, und darauf, dass man ihn in qualvollen Schmerzen sterben ließ. Einerseits ist dies eine sehr überraschende Reaktion, andererseits macht sie aber auch vollkommen Sinn, wenn wir lesen, was Jesus während seines gesamten Wirkens über Vergebung gelehrt hat. Er lehrte sie nicht nur, er verkörperte sie auch, sowohl in seinem Leben als auch in seinem Tod. Er lebte, was er predigte.
Jesu Vergebung spiegelte die Vergebung seines Vaters wider. Im Alten Testament, als Gott sich Mose offenbarte, sagte er von sich selbst: „Ich bin der HERR, der barmherzige und gnädige Gott. Meine Geduld, meine Liebe und Treue sind groß. Diese Gnade erweise ich Tausenden, indem ich Schuld, Unrecht und Sünde vergebe.“ – 2. Mose 34,6–7
Gott sagte damit, dass Vergebung eine seiner göttlichen Eigenschaften ist, die in seinem Wesen verwurzelt ist. Dieser Punkt wird im gesamten Alten Testament immer wieder betont, wie wir in den folgenden Versen sehen können.
Du bist ein Gott, der vergibt, gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und voll beständiger Liebe. Du hast sie nicht verlassen, – Nehemia 9,17
Wo ist ein Gott wie du, der die Sünden vergibt und die Missetaten seines Volkes verzeiht? Der nicht für immer an seinem Zorn festhält, sondern der sich freut, wenn er barmherzig sein kann (denn du liebst es, gnädig zu sein!) – Micha 7,18
Uns wird auch gesagt, dass Gott, wenn er uns unsere Sünden vergibt, uns diese Sünden niemals mehr vorhalten wird. „Ich will ihnen ihre Sünden vergeben und nicht mehr an ihre bösen Taten denken.“ (Jeremia 31,34). (Sieh auch Hebräer 8,12.) Das Ausmaß der Vergebung Gottes zeigt sich in Aussagen wie diesen: „Er wird … alle unsere Verfehlungen ins tiefe Meer werfen!“ (Micha 7,19). Und: „So weit der Osten vom Westen entfernt ist, so weit entfernt er unsere Übertretungen von uns“ (Psalm 103,12).
Gott ist von Natur aus vergebungsbereit. Und getreu seiner Natur hat er uns durch das Opfer seines Sohnes Jesus einen Weg zur Vergebung bereitet. In gewisser Weise können wir sagen, dass der Opfertod Jesu die Verkörperung von Gottes Vergebung war. Und wenn wir dem Beispiel Jesu folgen wollen, müssen auch wir vergebungsbereit sein.
Jesus hat in seinen Lehren deutlich gemacht, dass wir anderen vergeben sollen, wie wir in den folgenden Versen sehen können: Matthäus 18,21–22
Dann kam Petrus zu ihm und fragte: „Herr, wie oft soll ich jemandem vergeben, der mir unrecht tut? Sieben Mal?“ „Nein!“, antwortete Jesus, „siebzigmal sieben Mal.“ – Matthäus 18-21-22
Doch wenn ihr betet, dann vergebt zuerst allen, gegen die ihr einen Groll hegt, damit euer Vater im Himmel euch eure Sünden auch vergeben kann. – Markus 11,25
Und wenn er dir sieben Mal am Tag unrecht tut und jedes Mal umkehrt und um Vergebung bittet, vergib ihm. – Lukas 17,4
Jesus wies auch darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen unserer Bereitschaft, anderen zu vergeben, und Gottes Vergebung für uns gibt, das sehen wir in dem, wie er seine Jünger lehrte zu beten: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig geworden sind.“ Und er fuhr fort: „Wenn ihr euch aber weigert, anderen zu vergeben, wird euer Vater euch auch nicht vergeben.“ – Matthäus 6,12.15
Im Gleichnis vom unbarmherzigen Diener erzählte Jesus von einem Diener, dem sein Herr eine astronomisch hohe Schuld erlassen hatte, der sich jedoch weigerte, einem anderen Mann zu vergeben, der ihm lediglich einen kleinen Geldbetrag schuldete (Matthäus 18,23–35). Der Herr sagte daraufhin zu dem unbarmherzigen Diener: „Du herzloser Diener! Ich habe dir deine großen Schulden erlassen, weil du mich darum gebeten hast. Müsstest du da nicht auch mit diesem Diener Mitleid haben, so wie ich Mitleid mit dir hatte? Der König war so zornig, dass er den Mann ins Gefängnis werfen ließ, bis er seine Schulden bis auf den letzten Cent bezahlt hatte.“ Dann sagte Jesus zu allen, die ihm zuhörten: „Genauso wird mein Vater im Himmel mit euch verfahren, wenn ihr euch weigert, euren Brüdern und Schwestern zu vergeben.“ (Matthäus 18,32–35).
Wenn wir anderen für das vergeben, was sie uns angetan haben, spiegelt dies unser Verständnis von göttlicher Vergebung wider. Wir sollen anderen vergeben, weil uns vergeben wurde. Jesus starb, damit unsere Sünden vergeben werden konnten, und wir sind aufgerufen, anderen zu vergeben, wenn sie gegen uns sündigen oder uns Unrecht tun. Das ist es, was es bedeutet, Christus ähnlich zu sein.
Was Vergebung ist und was nicht
Wenn uns jemand verletzt, ob absichtlich oder unabsichtlich, ruft uns Christus dazu auf, ihm zu vergeben. Um dies tun zu können, ist es wichtig zu wissen, was Vergebung ist und was nicht.
Manche Verletzungen werden absichtlich zugefügt. Wir werden auf irgendeine Weise körperlich, verbal oder emotional angegriffen. Wir werden von jemandem betrogen, den wir lieben – einem Ehepartner, einem Familienmitglied, einem engen Freund. Manche Verletzungen, die wir erleben, sind geringfügig, werden aber schließlich schwerwiegend, wenn sie sich wiederholen.
Vergebung bedeutet nicht, den Schaden oder das Fehlverhalten, das uns jemand zugefügt hat, zu leugnen. Es bedeutet nicht, Entschuldigungen dafür zu finden, warum jemand uns verletzt hat, und es bedeutet auch nicht, die Schwere der Tat herunterzuspielen oder zu verharmlosen. Es bedeutet nicht, dass die Verletzung aufhört zu schmerzen oder dass sie vergessen wird. Vergebung bedeutet nicht, eine Beziehung unverändert fortzusetzen; es ist keine automatische Wiederherstellung des Vertrauens. Manchmal gibt es auch nach dem Akt der Vergebung Konsequenzen, denen man sich stellen muss.
Vergebung bedeutet, das uns zugefügte Unrecht zur Kenntnis zu nehmen, zuzugeben, dass es uns verletzt hat, und dann zu entscheiden, zu vergeben – eine bewusste Entscheidung die wir machen müssen. Es bedeutet, anzuerkennen, dass die Verletzung persönlich, ungerecht und tiefgreifend war, und sich dafür zu entscheiden, der Person oder den Personen, die uns verletzt haben, zu vergeben. Vergebung ist wirklich eine bewusste Entscheidung, die negativen Gefühle, die wir gegenüber jemandem hegen, der uns verletzt hat, loszulassen, sie hinter sich zu lassen, damit die Verletzung keinen negativen Einfluss mehr auf uns hat.
Wie Kelly Minter in ihrem Buch „The Fitting Room“ erklärt: „Vergebung bedeutet, sich mit dem zu konfrontieren, was uns unsere Täter angetan haben, ihre Wunde als das anzuerkennen, was sie ist, und dann zu entscheiden, zu vergeben. Das hat nichts damit zu tun, das Unrecht derer, die uns verletzt haben, zu leugnen, sondern hat alles damit zu tun, unsere Herzen ihnen gegenüber zu verändern.“
Manchmal möchten wir mit der Vergebung warten, bis sich die Person, die uns verletzt hat, bei uns für ihre Tat entschuldigt. Wir möchten, dass sie anerkennt, dass ihr Verhalten falsch war, und dass sie ihr Bedauern darüber zum Ausdruck bringt. Wenn du jedoch darauf wartest, dass jemand dich um Vergebung bittet, bevor du ihm vergibst, wirst du möglicherweise den Rest deines Lebens mit deinem Schmerz leben müssen. Uns wird nicht gesagt, dass wir nur vergeben sollen, wenn wir zuerst eine Entschuldigung erhalten, noch hängt unsere Vergebung davon ab, dass jemand anderes sich entschuldigt uns sagt, dass es ihm oder ihr leid tut.
Es gibt Fälle, in denen wir von Menschen verletzt werden, deren eigene Probleme sich in irgendeiner Weise auf uns auswirken. Beispielsweise können Eheprobleme der Eltern ihren Kindern schaden, ohne dass die Eltern dies absichtlich tun. Manchmal werden wir von Menschen verletzt, durch deren gemachten Fehler. Manchmal versucht jemand sogar, etwas zu tun, von dem er glaubt, dass es hilfreich ist, doch am Ende leiden manche Menschen unter den Folgen.
In solchen Situationen ist es hilfreich, uns daran zu erinnern, dass andere uns ebenso unbeabsichtigt verletzen können, wie auch wir anderen Dinge antun, die sie verletzen, ohne dass wir dies beabsichtigen. Wenn uns das bewusst wird und wir erkennen können, hoffen wir natürlich, dass diejenigen, die wir verletzt haben, uns vergeben. Und deshalb sollten wir auch bereit sein, anderen zu vergeben. Wie Jesus es uns lehrte: „Geht so mit anderen um, wie ihr wollt, dass anderen mit euch umgehen sollen. – Matthäus 7,12
Es gibt auch den Faktor, dass nicht jede Verletzung, die wir erfahren, vergeben werden muss. Viele der Verletzungen, die wir im Leben erhalten, werden durch Handlungen anderer verursacht, die uns eigentlich nichts Böses wollen. Wir leben in einer Welt, in der wir regelmäßig mit Menschen zu tun haben, die oft Dinge sagen oder tun, ohne die Absicht, andere zu verletzen, aber manchmal verursachen diese Dinge unbeabsichtigt doch Verletzungen. Wenn uns das bewusst ist, dass es keine Absicht war, verursacht das jedoch in der Regel keine tiefen oder bleibenden Verletzungen. Vergebung ist etwas Persönliches. Es ist eine Person, die jemandem vergibt, der sie persönlich verletzt hat.
Der Akt der Vergebung
Zu verstehen, dass die Heilige Schrift uns auffordert, anderen zu vergeben, und dieser Aufforderung zuzustimmen, ist eine Sache. Aber jemandem zu vergeben, der uns tief verletzt hat, kann eine schwierige und schmerzhafte Aufgabe sein. C. S. Lewis schrieb: „Jeder sagt, Vergebung sei eine wunderbare Sache, bis er selbst etwas zu vergeben hat.“
Das griechische Wort, das am häufigsten mit „Vergebung“ übersetzt wird, ist „aphiemi.“ Es bedeutet, etwas loszulassen oder eine Schuld zu erlassen. Wenn wir jemandem für das, was er getan hat, vergeben, befreien wir ihn von einer legitimen Schuld. Wir erkennen an, dass wir verletzt oder ungerecht behandelt wurden, dass unser Vertrauen missbraucht wurde und dass unser Leben durch die verletzenden Handlungen eines anderen beeinträchtigt wurde. Wir verstehen aber auch, dass auch wir Sünder sind, dass wir andere beleidigen und verletzen und dass uns unsere Verfehlungen von Gott vergeben wurden. Wenn wir vergeben, treffen wir die Entscheidung, unseren Schmerz, unseren Wunsch nach Vergeltung, unseren Zorn und unsere negativen Gefühle gegenüber der Person, die uns verletzt hat, loszulassen. Wir legen die Person und ihre Handlungen in Gottes Hände – und schreiten weiter.
Wenn wir Handlungen, die uns tief verletzt haben, und die dafür Verantwortlichen in Gottes Hände legen, bedeutet das, dass wir sie ihm anvertraut haben und loslassen können. Wir müssen nicht mehr darüber nachdenken und grübeln, was oder warum etwas passiert ist, denn wir haben es Gott übergeben. Dadurch sind wir in der Lage, unsere negativen Gefühle gegenüber demjenigen, der uns verletzt hat, loszulassen, unseren Groll und unsere Wut hinter uns zu lassen und unseren eigenen emotionalen Heilungsprozess beginnen zu lassen.
Es mag naheliegend erscheinen, dass man jemanden, dem man vergibt, für das, was er getan hat, entschuldigt. Das ist aber nicht der Fall. Vielmehr befreit es einen selbst davon, den Schmerz der Kränkung loszulassen und weiterzumachen, ohne dass die negativen Gefühle gegenüber der Person, die einem Schaden zugefügt hat, einen ständig quälen. Wenn wir anderen vergeben, nehmen unsere negativen Gefühle gegenüber dieser Person im Laufe der Zeit in der Regel ab. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass wir beginnen, positive Gefühle für sie zu entwickeln, obwohl das möglich ist und manchmal auch geschieht.
Wenn wir weiterhin eine Beziehung zu der Person, die uns verletzt hat, pflegen möchten, ist der nächste Schritt nach der Vergebung die Versöhnung. Das ist natürlich nicht mehr möglich, wenn die andere Person nicht mehr in deinem Leben ist. Es kann aber auch sein, dass du der Person zwar vergeben hast, aber keine Beziehung mehr zu ihr haben wünschst oder dass dies für dein spirituelles Leben oder dein emotionales Wohlbefinden nicht förderlich ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass du ihr nicht vergeben hast.
Vergebung kann zwar komplex sein und viele Aspekte haben, aber es ist offensichtlich, dass Jesus durch sein Beispiel und seine Lehren Wert auf die Vergebung gelegt hat. Als seine Nachfolger hat er uns dazu angehalten, zu vergeben, und zwar ohne Einschränkungen. Wenn wir wirklich Jesus ähnlicher werden wollen, sind wir aufgerufen, anderen ihre Verfehlungen gegen uns zu vergeben – so schwer das manchmal auch sein mag – denn Gott hat uns unsere Verfehlungen vergeben. „Seid nachsichtig mit den Fehlern der anderen und vergebt denen, die euch gekränkt haben. Vergesst nicht, dass der Herr euch vergeben hat und dass ihr deshalb auch anderen vergeben müsst.“ – Kolosser 3,13
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