Die Erschaffung der Menschheit als Mann und Frau

Februar 6, 2026

Peter Amsterdam

[The Creation of Humankind as Male and Female]

In der Schöpfungsgeschichte in 1. Mose, Kapitel 1 wird beschrieben, wie das Universum und alles, was darin ist – Sonne, Mond, Sterne, Planeten, Ozeane, Land, Tiere, Fische und Vögel – vor den Menschen erschaffen wurden. Die Menschen waren Gottes letzte Schöpfung. In diesem Kapitel der Bibel wird berichtet, dass Gott Adam, den ersten Mann, und anschließend Eva, die erste Frau, erschuf.

Was den Ursprung der Menschheit betrifft, bekennt sich das Christentum zur biblischen Lehre, dass Gott den ersten Mann und die erste Frau erschaffen hat. Ohne darauf einzugehen, in welchem Zeitrahmen Gott die Welt und die Menschheit geschaffen haben mag, wird die Geschichte von der Erschaffung und Existenz Adams und Evas nicht als Mythos oder literarisches Mittel, und auch nicht als ein Gleichnis angesehen. Vielmehr sieht das christliche Verständnis sie als reale Personen, die am Anfang der Weltgeschichte gelebt haben.

Das Alte Testament stellt die Kontinuität und Verbindung zwischen Adam und den anderen historischen Figuren des Alten Testaments her. Es zeigt die Zusammenhänge zwischen den Generationen des ersten Menschen und denen, die ihm in der Geschichte des Alten Testaments folgten. (Die Möglichkeit besteht, dass die gegebenen Genealogien nicht alle Generationen umfassen, sondern nur die wichtigsten, was bedeutet, dass es möglicherweise viel mehr Zeit und viel mehr Generationen gab als die aufgeführten Generationen.)

Im Neuen Testament wird Adam eindeutig als historische Person dargestellt (1. Korinther 15,45; 1. Timotheus 2,13). Zur Historizität von Adam und Eva und der Erzählung der Schöpfungsgeschichte schrieb J. I. Packer:

Obwohl die Schöpfungsgeschichte in einem eher bildhaften Stil erzählt wird, fordert uns 1.Mose 1 auf, sie als historisches Zeugnis zu lesen. In der Schöpfungsgeschichte wird Adam durch die Genealogie (Kapitel 5, 10, 11) mit den Patriarchen und über diese mit dem Rest der Menschheit verbunden, wodurch er ebenso sehr Teil der Raum-Zeit-Geschichte wird wie Abraham, Isaak und Jakob.1

Die folgenden Verse sprechen speziell von der Erschaffung von Mann und Frau, wobei die ersten Verse aus 1. Mose 1 einen Überblick geben und die aus 2. Mose 2 und 5 weitere Einzelheiten enthalten.

Da sprach Gott: „Wir wollen Menschen schaffen nach unserem Bild, die uns ähnlich sind.“ … So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er sie, als Mann und Frau schuf er sie. – 1. Mose 1,26–27

Da formte Gott, der HERR, aus der Erde den Menschen und blies ihm den Atem des Lebens in die Nase. So wurde der Mensch lebendig. – 1.Mose 2,7

Da ließ Gott, der HERR, Adam in einen tiefen Schlaf versinken. Er entnahm ihm eine seiner Rippen und schloss die Stelle wieder mit Fleisch. Dann formte Gott, der HERR, eine Frau aus der Rippe, die er Adam entnommen hatte, und brachte sie zu ihm. „Endlich!2, rief Adam aus. 2Sie ist ein Teil von meinem Fleisch und Blut! Sie soll ‚Männin‘ heißen, denn sie wurde vom Mann genommen. – 1. Mose 2,21–23

Als Gott die Menschen schuf, formte er sie nach seinem Ebenbild. Er schuf sie als Mann und Frau, segnete sie und nannte sie ‚Mensch‘ [adam; d. h. ⟨von der⟩ Erde (adama = Erdboden)] – 1. Mose 5,1–2

Mann und Frau, Adam und Eva, wurden beide nach Gottes Ebenbild geschaffen, und nachdem Gott sie erschaffen hatte, gab er ihnen gemeinsam den Namen „Mensch“. Früher war es üblich, die Menschheit, also Männer und Frauen, einfach mit den Begriffen „Männer“ oder „Menschheit“ zu bezeichnen oder zu adressieren. Frauen wurden in die Männer einfach miteingeschlossen, nicht speziell erwähnt oder adressiert.

Wie oben zitiert, sagte Gott in 1. Mose 1,26–27: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich … Als Mann und Frau schuf er sie. Dass Gott Mann und Frau gleichermaßen nach seinem Bild schuf, drückt die Gleichheit der beiden Geschlechter aus – beide sind gleichermaßen Menschen.

Genauso wie der Vater, der Sohn und der Heilige Geist in ihrem Wesen gleichermaßen Gott sind, sind Mann und Frau in ihrem Wesen gleichermaßen Menschen. Sie sind gleich in ihrer Persönlichkeit und gleich in ihrer Bedeutung. Der Theologe Wayne Grudem drückt es so aus:

Wenn wir alle gleichermaßen nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, dann sind Männer und Frauen für Gott mit Sicherheit gleich wichtig und gleich wertvoll. Wir sind vor ihm für alle Ewigkeit gleich wertvoll. Die Tatsache, dass sowohl Männer als auch Frauen in der Heiligen Schrift als „nach Gottes Ebenbild“ beschrieben werden, sollte jegliches Gefühl von Stolz oder Unterlegenheit und jede Vorstellung, dass das eine Geschlecht „besser“ oder „schlechter“ als das andere sei, ausschließen. ... Wenn Gott uns für gleichwertig hält, dann ist die Frage damit geklärt, denn Gottes Bewertung ist der wahre Maßstab für den persönlichen Wert für alle Ewigkeit.2

Frauen in der Bibel

Das Neue Testament, obwohl in einer stark männerdominierten Gesellschaft verfasst, lehrt jedoch die Gleichberechtigung der Frauen gegenüber Gott. Ein zentrales Beispiel dafür ist die Erfüllung mit dem Heiligen Geist, die Männern und Frauen gleichermaßen zuteilwird.

„In den letzten Tagen, spricht Gott, werde ich meinen Geist über alle Menschen ausgießen. Eure Söhne und Töchter werden weissagen, eure jungen Männer werden Visionen haben und eure alten Männer prophetische Träume. In diesen Tagen werde ich meinen Geist sogar über alle meine Diener (Sklaven bzw. Sklavinnen), ob Mann oder Frau, ausgießen, und sie werden weissagen.“ Diese Schriftstelle ist vom Alten Testament von Joel 3,1-5 und wird im Neuen Testament von Petrus in der Apostelgeschichte 2,17–18 zitiert.

Wenn Paulus und Petrus über die geistlichen Gaben des Heiligen Geistes sprechen, weisen sie darauf hin, dass diese Gaben „jedem“ gegeben werden, was bedeutet, dass beide Geschlechter sie empfangen können (1. Korinther 12,11).

Während seiner Zeit auf Erden hat Jesus bewusst gesellschaftliche Tabus, die Frauen benachteiligten, gebrochen. Er sprach mit ihnen in der Öffentlichkeit; er sprach allein mit der samaritanischen Frau (Johannes 4,4–26); er billigte die Frau, die ihr Haar entblößte und ihn im Haus des Pharisäers Simon berührte (Lukas 7,36–44); er hatte weibliche Anhängerinnen, die ihn und seine Jüngern auf ihren Reisen begleiteten (Lukas 8,1–3) – all dies war in der jüdischen Gesellschaft jener Zeit kulturell inakzeptabel.

Paulus betont die Gleichheit aller Menschen, einschließlich der Gleichstellung der Geschlechter, innerhalb der Kirche: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, gehört nun zu Christus. Nun gibt es nicht mehr Juden oder Nichtjuden (Griechen), Sklaven oder Freie, Männer oder Frauen. Denn ihr seid alle gleich – ihr seid eins in Jesus Christus. – Galater 3,27–28

Die christliche Autorin Amy Orr-Ewing äußert folgende Beobachtung hinsichtlich Jesu Akzeptanz von Frauen und der Rolle der Frauen in der frühen Kirche:

Im Gegensatz zu den damaligen kulturellen Normen machte es sich Jesus zur Gewohnheit, Frauen wichtige theologische Wahrheiten zu offenbaren. Die erste Person, die im Johannesevangelium Christi wahre Identität erkennt, ist die samaritanische Frau am Brunnen. Wir dürfen nicht unterschätzen, wie radikal dies ist: Jesus brach kulturelle Tabus, stellte sie auf den Kopf, indem er Frauen lehrte und ihnen erlaubte, seine Jüngerinnen zu sein.

Tatsächlich spielten Frauen im Wirken Jesu eine wichtige und lebendige Rolle, sowohl als Vorbilder in seiner Lehre als auch als Empfängerinnen dieser Lehre. Auch wenn dies in unserem Kontext des 21. Jahrhunderts völlig richtig und angemessen erscheint, dürfen wir nicht vergessen, wie radikal dies im Palästina des ersten Jahrhunderts war. Jesus bekräftigte und bezog Frauen bewusst mit ein.3

Unterschiedliche Rollen

Mann und Frau sind zwar gleichermaßen nach Gottes Ebenbild geschaffen und in ihrer Persönlichkeit und ihrem Wesen gleich, haben aber laut der Heiligen Schrift dennoch unterschiedliche Rollen. In den Versen über die Erschaffung der Frau kommt dieses Konzept der unterschiedlichen Rollen zum Ausdruck (1. Mose 2,18–24; 1. Korinther 11,3).

Hinweise auf unterschiedliche Rollen sind unter anderem, dass Adam zuerst erschaffen wurde und die Verantwortung für die Benennung der Tiere erhielt und dass er auch derjenige war, der Eva „Frau” nannte (wortwörtlich Männin); Gott sprach zuerst zu Adam, nachdem beide gesündigt hatten; Adam wird als Repräsentant der Menschheit angesehen (Römer 5,12–18). Dies deutet darauf hin, dass Adam eine Führungsrolle zukommt.

Obwohl es einen Unterschied in den Rollen von Adam und Eva gab, lässt sich aus ihrer Beziehung Harmonie ableiten. Die Autoren Lewis und Demarest drücken dies folgendermaßen aus:

Vor dem Sündenfall genossen Adam und Eva eine ungetrübte Gemeinschaft mit ihrem Schöpfer und Erhalter. Offenbar war es für sie üblich, morgens und abends persönlich ihrem Schöpfer zu begegnen (1.Mose 3,8). Das erste Paar genoss auch eine treue, liebevolle Beziehung zueinander. Vor dem Sündenfall gab es keine Anzeichen von Misstrauen, Neid, Eifersucht oder Hass. Mann und Frau glichen Gott (waren rein in ihren Sinnen und ihrem Denken, weil sie das Böse und den Ungehorsam noch nicht kannten), in ihren gegenseitigen Beziehungen des Respekts, der Liebe und des Vertrauens.4

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gott Mann und Frau nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat. Dieses Bild und Gleichnis besteht weiterhin, wenn auch durch die Sünde getrübt. In Gottes Augen sind Männer und Frauen gleichwertig. Als Christen sollten wir in der Ehe danach streben, eine Vereinigung zweier gleichberechtigter Menschen zu sein, die die von Gott uns zugewiesenen Rollen in Harmonie, gegenseitigem Verständnis und Liebe erfüllen. Und als neue Geschöpfe in Christus sind wir alle dazu berufen, mehr und mehr in sein Bild, sein Wesen verwandelt zu werden und ihn so in unseren Beziehungen widerzuspiegeln. „wir aber alle … werden in dasselbe Bild verwandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn des Geistes gegeben wird.“ Oder anders ausgedrückt: der Geist des Herrn wirkt in uns, sodass wir ihm immer ähnlicher werden und immer stärker seine Herrlichkeit widerspiegeln. – 2. Korinther 3,18

 

1 J. I. Packer, Concise Theology (Tyndale House Publishers, 1993), 81.

2 Wayne Grudem, Systematic Theology, An Introduction to Biblical Doctrine (InterVarsity Press, 2000), 456.

3 Amy Orr-Ewing, Isn’t the Bible Sexist?

4 Gordon R. Lewis and Bruce A. Demarest, Integrative Theology, Vol. 2 (Zondervan, 1996), 206.

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