Gedanken über Freundschaft

Januar 23, 2026

Gabriel García V.

[Reflections on Friendship]

Nie zuvor habe ich Freundschaften so sehr geschätzt wie während meiner kürzlichen Gesundheitskrise. Nach einer achtstündigen Herzoperation und zwei Tagen im künstlichen Koma wachte ich auf und stellte fest, dass meine Frau und ich von einem wunderbaren Netzwerk lieber Freunde unterstützt und umsorgt wurden, durch buchstäblich Hunderten von Nachrichten aus aller Welt, die ich per Telefon und E-Mail erhielt. Die Ermutigung und das Mitgefühl meiner Freunde gaben mir den nötigen Auftrieb, um wieder zu Kräften zu kommen. Durch diese Erfahrung habe ich den Wert von Freundschaft wirklich erkannt.

Plötzlich wurde mir klar, dass jede Minute, die ich diesen Menschen gewidmet hatte – jeder Anruf, jeder Besuch, jede Nachricht, die ich geschrieben hatte – etwas Besonderes geschaffen hatte. Manchmal bin ich mit meiner Arbeit beschäftigt, dass ich es aufschiebe, eine persönliche Nachricht zu beantworten oder innezuhalten, um den Herrn um ein Gebetsanliegen zu bitten. Doch nach meiner jüngsten Tortur erkannte ich, wie wertvoll es ist, sich Zeit für einen Freund zu nehmen oder meine Aufmerksamkeit auf einen Kollegen zu richten, der ein offenes Ohr braucht.

Andererseits erfordern aufrichtige Freundschaften nicht immer einen großen Zeitaufwand. Wir hatten eine Freundin, die wir seit mehreren Jahren nicht gesehen hatten und die kurz vor meiner Operation in der Notaufnahme des Krankenhauses erschien. Sie ist eine bekannte Ärztin, und als sie von meiner Notlage, durch unsere Bitte für Gebet, hörte, eilte sie ins Krankenhaus, um mich zu ermutigen. Ihre Reaktion war so schnell, dass sie sogar noch vor meinem Krankenwagen im Krankenhaus ankam! Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr mich das in diesem entscheidenden Moment ermutigt hat.

In der folgenden Woche in meinem Krankenhausbett, spielte das Lesen der verschiedenen Nachrichten von Freunden und Bekannten eine wichtige Rolle für meine Genesung. „Wie wohl tut ein Wort zur rechten Zeit!“ (Sprüche 15,23).

Wir hören oft von Freunden, die uns hintergehen oder nicht für uns da sind, wenn wir sie brauchen, und auch die Bibel spricht davon, insbesondere von Judas im Fall Jesu und vielen anderen in Davids Leben. Aber wir müssen auch von denen hören, die uns zur Seite stehen oder in Zeiten der Not für uns da sind! Wie ich in meiner Notlage erlebt habe, waren zahlreiche Freunde da, um mich in meiner Schwäche zu stärken und meiner Familie Unterstützung zu geben.

Alles, was nötig war, um diese Loyalität aufzubauen, war ein wenig Zeit und aufrichtige Anteilnahme, ein Gebet für jemanden, der sich in einer schwierigen Lage befand, ein Wort des Vertrauens und der Zuversicht für einen anderen in einem Moment der Angst, einen Anruf zum richtigen Zeitpunkt, eine Prise Humor, ein Kompliment für eine gut gemachte Arbeit usw. Wie es in den Sprüchen heißt: „Ein Freund liebt zu jeder Zeit (kann man sich immer verlassen), und ein Bruder ist für die Not geboren“ (Sprüche 17,17).

Denken wir daran, dass Jesus uns, obwohl er der Sohn Gottes ist, wie Freunde behandelt hat. (Sieh Johannes 15,14–15). Und inspirierende Lektüre über tiefe Freundschaften findest du in den Geschichten von Ruth und Noomi (Ruth 1,16–17) sowie David und Jonathan (1.Samuel 18,1–4).

Vor einigen Jahren war „Networking“ das Schlagwort. Dabei ging es darum, eine Liste von Kontakten anzulegen, die sich später als nützlich erweisen könnten. Das biblische Konzept ist jedoch ein ganz anderes. Jesus sagte, wir sollten Gutes tun und großzügig geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten (siehe Lukas 6,35). Er sagte auch: „Umsonst habt ihr‘s empfangen, umsonst gebt es auch“ (Matthäus 10,8). Wenn wir in der Hoffnung geben, eines Tages etwas zurückbekommen zu können, entgeht uns möglicherweise die Freude, die selbstlose Liebe mit sich bringt.

Der berühmte brasilianische Sänger Roberto Carlos schrieb vor einigen Jahrzehnten einen Song, der in ganz Lateinamerika seine Spuren hinterlassen hat und noch heute im Radio auf dem ganzen Kontinent zu hören ist. Darin heißt es: „Ich möchte eine Million Freunde haben, damit wir mit einer stärkeren Stimme singen können. Ich möchte dieses freundliche Lied mit allen teilen, die es brauchen.“ Tatsächlich hatte ich in meiner Not das Gefühl, eine Million Freunde zu haben.

Wenn du dich einsam fühlst, isoliert oder dazu neigst, dich zurückzuziehen, möchte ich dich ermutigen, auf andere zuzugehen. Ergreife die Initiative und beginne ein freundliches Gespräch. Höre mit Empathie zu. Biete deine Hilfe an. Wie es in dem kleinen Gedicht heißt:

Ich ging hinaus, um einen Freund zu finden,

konnte aber nirgends einen finden;

ich ging hinaus, um ein Freund zu sein,

und Freunde waren überall.

*

„Zwei haben es besser als einer allein: Zusammen erhalten sie mehr Lohn für ihre Mühe. Wenn sie hinfallen, kann einer dem anderen aufhelfen. Doch wie schlecht ist der dran, der allein ist und fällt, und keiner ist da, der ihm beim Aufstehen hilft! – Prediger 4,9-10

„Zu einem Freund, dem es schlecht geht, sollte man freundlich sein, selbst dann, wenn er den Allmächtigen nicht mehr fürchtet. – Hiob 6,14

Der ehrliche Rat eines Freundes ist so angenehm wie Öl oder Weihrauch. Lass niemals einen Freund im Stich – weder deinen eigenen noch den deines Vaters. Dann wirst du, wenn du selbst in Not bist, ... Besser ein Nachbar in der Nähe als ein Bruder in der Ferne“ – Sprüche 27,9-10

Eisen schärft Eisen, ebenso schärft ein Mensch einen anderen (im Umgang mit anderen bekommt man Schliff). – Sprüche 27,17

Copyright © 2026 The Family International