Stärke in Schwäche

Juli 13, 2021

Eine Zusammenstellung

[Strength in Weakness]

In unserer heutigen Zeit wird uns beigebracht, erfolgreich zu sein, indem wir Stärke zeigen, während wir unsere Schwächen verbergen, indem wir Zuversicht zeigen, während wir unsere Zweifel begraben, und indem wir Kühnheit zeigen, während wir unsere Ängste verbergen. Wenn wir auf diese Weise leben, nutzen wir unsere eigenen Ressourcen, um unser Image zu perfektionieren, aber wenn diese Ressourcen versagen, werden wir erschöpft, ausgelaugt und ausgebrannt. Und warum? Weil wir nicht dazu bestimmt sind, aus unseren eigenen Vorräten zu leben, sondern in der Kraft und Macht des auferstandenen Christus in uns.

Wenn wir uns mit dem zufriedengeben, was wir aus eigener Kraft tun können, dann erhöhen wir uns nur selbst. Wenn unser Leben beschrieben werden kann anhand unserer Fähigkeiten, Fertigkeiten, Gaben, unseres Temperaments und unserer Persönlichkeit, dann gibt es nur eine Person, die den Beifall bekommt: nämlich wir selbst. Aber die Ressourcen, die Paulus zur Schau stellte, kamen aus seiner Schwäche. Die Menschen sahen in seiner Armut Stärke, in seiner Verletzlichkeit Reichtum und in seiner Ungewissheit Stabilität. Denn die einzig gültige Erklärung dafür, dass Paulus so war, wie er war und tat, was er tat, war die Gegenwart des Herrn Jesus Christus in ihm.

Es waren nicht seine Fertigkeiten oder seine Fähigkeiten, die zählten. Paulus hatte Fähigkeiten, aber Gott musste diese zerbrechen, denn Gebrochenheit ist biblischer als Ganzheit und Gebrochenheit ist der einzige Weg zur Ganzheit. Paulus war sehr transparent darüber, wer er war. Er nannte sich selbst den Ersten unter den Sündern und den Geringsten unter den Aposteln. Aber Paulus lernte durch die Erfahrung, dass wir gerade in unserer Schwäche entdecken, dass Christus unsere Stärke ist: „Darum will ich mich umso lieber meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi auf mir ruhe. Darum habe ich um Christi willen Freude an Schwachheiten, an Beleidigungen, an Mühen, an Verfolgungen, an Schwierigkeiten. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ 1

Wir entdecken Christus nur dann als unsere Ressource, wenn wir aufhören, unsere Schwächen und Begrenzungen zu verstecken, und anfangen, sie ehrlich zu benennen. Wenn wir schwach sind, ist das der Moment, in dem wir Jesus Christus erlauben, in uns stark zu sein. Aber solange wir selbstgenügsam sind, begrenzen, hemmen und behindern wir, was Er in uns tun könnte. Aus unserer Schwäche und Armut heraus wird Jesus Christus erhöht, wenn wir Ihm erlauben, uns über das hinauszuführen, was wir tun können, und Ihm erlauben, uns zu dem zu machen, von dem wir wissen, dass wir es nicht sind.

Christus ist dabei, unsere Schwäche gegen Seine Stärke, unseren Schmutz gegen Seine Reinheit und unsere Armut gegen Seinen Reichtum auszutauschen. Wenn wir uns also das nächste Mal müde und schwach fühlen, mögen wir uns daran erinnern, dass wir in Ihm stark sind. – Charles Price

Verlangsamung oder Zusammenbruch

Unsere eigene Schwäche kann unsere rettende Gnade sein, denn die Stärke Jesu wird in unserer Schwäche vollkommen. 2 Dieses Konzept ist so gegensätzlich zu unserer natürlichen Denkweise. Es liegt in der menschlichen Natur, in uns selbst stark sein zu wollen, und durch diese Stärke voranzukommen und Fortschritte zu machen. Aber Jesus sagt uns, dass, wenn wir uns schwach und hilflos fühlen, es der Moment ist, wenn Seine Kraft in uns wirken kann!

Jesus möchte jeden von uns an den Ort des vollen Glaubens bringen – an den Ort, an dem wir an Seinen Verheißungen festhalten und uns weigern, aufzugeben, auch wenn wir nicht das Geringste unserer eigenen Kraft mehr haben. Wenn wir in diesen Zustand kommen, in dem wir wirklich wissen und akzeptieren, dass wir ohne Jesus nichts tun können, dann kann Er die Führung übernehmen. Das ist der Moment, in dem das, was für uns in unserer eigenen Kraft unmöglich ist, in Seiner Kraft möglich wird.

Wenn du also das Gefühl hast, dass du keinen Schritt mehr weitergehen kannst, dann ist das genau richtig, weil du genau da bist, wo du sein musst! Aber Jesus möchte nicht, dass du in diesem Zustand bleibst. Er möchte dich über diesen Punkt hinausbringen, und das wird Er auch. Wenn du am Ende deiner eigenen Ressourcen angelangt bist, dann ist das der Zeitpunkt, an dem Jesus eintreten kann und Seine Kraft und Macht in und durch dich wirken kann.

Wir neigen dazu, uns für stärker und fähiger und unentbehrlicher zu halten, als wir sind. Und wenn wir in dieser Geisteshaltung weitermachen und versuchen, alles selbst zu machen, könnten wir herausfinden, wie entbehrlich wir sind. Wenn wir körperlich, geistig oder emotional zusammenbrechen und nichts mehr zustande bringen, werden wir herausfinden, dass die Welt sich auch ohne uns weiterdreht.

Manchmal muss Gott unseren Größenwahn, unser Gefühl der Selbstherrlichkeit ein Ende setzen. Er weiß, dass wir unsere Grenzen haben, und Er weiß, wie zerbrechlich wir sind. Er kennt unser Wesen, „Er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er erinnert sich, dass wir Staub sind.“ 3 Er wünscht sich nur, dass wir aufwachen und das auch erkennen. Die Lösung besteht darin, langsamer zu werden, Ihm all unsere Sorgen zu übergeben und in einem langsameren täglichen Tempo zu leben, im Vertrauen auf Ihn für das, was wir in der Lage sind zu tun oder nicht zu tun.

In der heutigen schnelllebigen Welt ist es aufgrund der vielen Anforderungen an unsere Zeit sehr schwierig, langsamer zu werden, aber dieses Gleichgewicht zu finden, ist etwas, das wir ständig tun sollten, denn Mäßigung in allen Dingen ist einer der Schlüssel zu körperlicher Gesundheit und geistigem Wohlbefinden. – Maria Fontaine

Der Vorteil der Schwäche

Wir alle unterliegen der Versuchung, Vertrauen in uns selbst und nicht in Gott zu setzen. Wir nehmen an, Vertrauen in unsere körperliche Stärke, unser Training, unsere Ernährung, unseren Schlaf, unsere Ausbildung, unsere Begabung oder unsere Erfahrung haben zu können. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, ein Wechsel in unserem Denkmuster in unseren Herzen: menschliche Schwäche ist nicht gleichbedeutend mit geistlichem Nachteil. Die Wahrheit ist, dass wir alle schwach sind. Aber diejenigen, die scheinbar schwach sind und sich auf Gott verlassen, sind in Wirklichkeit stark, weil ihre Stärke von dem allmächtigen Gott kommt!

Gegen Ende des 2. Korintherbriefes schreibt Paulus (und zitiert dabei zunächst das tröstende Wort des Herrn an ihn): „Meine Gnade genügt euch, denn meine Kraft ist in der Schwachheit vollkommen.“ Darum will ich mich umso lieber meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi auf mir ruhe. Um Christi willen begnüge ich mich also mit Schwachheiten, Beleidigungen, Nöten, Verfolgungen und Unglücksfällen. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark. 4

Das ist ein völliger Paradigmenwechsel gegenüber der Denkweise der Welt. Die Zufriedenheit mit Schwächen, Nöten, Verfolgungen und Unglücken – alles um Christi willen – ist Stärke. Gott benutzt nicht nur schwache Menschen trotz ihrer Schwächen; Er demonstriert Seine vollkommene Macht durch ihre Schwächen. ... Aber das ist nicht nur die Geschichte von Paulus, und es ist nicht nur meine Geschichte. Es ist die Geschichte der ganzen Bibel. Josef, Mose, Esther, Josua in der Schlacht von Jericho, David gegen Goliath. Gott benutzt unsere Unzulänglichkeit, um Seine außergewöhnliche Macht hervorzuheben.

Diese Wahrheit über Gottes Macht, die in der Schwachheit vollkommen gemacht wird, ist am deutlichsten am Kreuz zu sehen. Im Buch der Offenbarung, als Johannes einen Blick auf die Herrlichkeit erhascht und den auferstandenen Jesus sieht, waren die Nagelmale an Seinen Händen und Füßen sichtbar. ... Die buchstäblichen, tatsächlichen Narben an Jesu verherrlichtem Körper sind ein Ergebnis des Werkes, das Er getan hat, um unser Leben zu erlösen, das durch unsere Sünde vernarbt worden ist. Wir alle haben gegen einen heiligen Gott gesündigt. Keiner von uns konnte etwas tun, um unsere Schuld gegenüber unserem Schöpfer zu begleichen. Aber Gott hat einen Weg geschaffen – durch Schwäche und Leiden. Und wir warten auf Seine Rückkehr in Macht.

Doch bis dahin verspricht uns Gott keineswegs eine schmerzfreie Existenz. In einer gefallenen Welt wird unsere Realität oft eine schmerzvolle sein. Wir können Gott in unseren Prüfungen mit dem Glauben umarmen, dass Er in uns und durch uns ein Werk tut, das jenseits unseres begrenzten Verständnisses liegt. Bis zu [unserer] endgültigen Befreiung ist es ein Privileg, durch unsere Narben auf die Narben Jesu hinzuweisen.

Unsere zerbrochenen Körper und Prüfungen können ein schönes Bild für Gottes herrliche Erlösung sein. Gott vollbringt in unserem Leiden mehr für Seine Mission, als wir im Moment sehen können – nicht trotz unserer Schwäche, sondern durch unsere Schwäche. – David Furman 5

Scheinbare Gegensätze

Wir denken an Schwäche und Stärke als Gegensätze. Stark zu sein ist gut und bedeutet, ohne Schwäche zu sein. Schwach zu sein, ist schlecht und bedeutet, ohne Stärke zu sein. Die meisten von uns wollen als stark angesehen werden. Wir sind besorgt, dass die Leute nicht die erforderliche Wertschätzung für uns aufbringen, wenn wir unsere Schwäche zeigen.

Paulus war scheinbar ein starker Mann mit einem erfolgreichen Wirken. Seine unaussprechlichen Visionen vom Himmel stärkten ihn, viel Not zu ertragen, und motivierten seine außergewöhnliche Arbeit für das Evangelium. Er hatte die Herrlichkeit seines Ziels gesehen und konnte sagen: „Leben ist Christus, Sterben ist Gewinn.“ 6 Aber Paulus rühmte sich nicht mit den Details seiner Visionen. Er weigerte sich, sich in seiner Stärke zu rühmen, sondern rühmte sich nur in seiner Schwäche. Paulus wollte, dass die Menschen allein Christus wertschätzen – dass sie Seine Macht sehen.

Paulus umarmte das Leiden. Seine Unfähigkeit, den „Dorn“ (was auch immer es war) loszuwerden oder schwierige Umstände zu vermeiden, zeigte Gottes Macht, die in und durch ihn wirkte. Paulus predigte das Evangelium, aber Gott tat das Werk, Sünder zu retten und Gemeinden zu bauen. Es war Gott, der stark war.

Die Kreuzigung Jesu war die ultimative Darstellung von Stärke durch Schwäche. Die Schwäche Jesu, der missbraucht, verspottet und geschmäht wurde, erforderte große Stärke. Der Sohn Gottes „hält das Universum aufrecht durch das Wort seiner Kraft.“ 7 Jesus war stark genug, um um unseretwillen schwach zu werden und sich dem Vater zu unterwerfen, sogar bis zum Tod am Kreuz. Diese Schwäche befriedigte den Zorn Gottes, brachte die Herrlichkeit der Auferstehung, inszenierte die Rettung einer Vielzahl von Sündern und führte zur endgültigen Macht über Sünde und Tod.

Jesus zeigt Seine Kraft durch schwache Sünder. Dieselbe Macht, die Jesus von den Toten auferweckt hat, 8 wirkt in uns durch „Schwächen, Beleidigungen, Nöte, Verfolgungen und Unglücksfälle“, um uns um Christi willen 9 zufriedenzustellen und uns seinem Ebenbild anzugleichen. 10 ...

Schwäche und Stärke sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten der gleichen Medaille. Wenn wir schwach sind, dann sind wir stark. 11Keri Folmar 12

Veröffentlicht auf Anker im Juli 2021.


Alle Bibelstellen sind wörtliche Übersetzungen aus dem englischen Originaltext.

  1. 2. Korinther 12,9-10.
  2. 2. Korinther 12,9-10.
  3. Psalm 103,14.
  4. 2. Korinther 12,9-10.
  5. https://www.desiringgod.org/articles/the-strength-of-your-weaknesses.
  6. Philipper 1,21.
  7. Hebräer 1,3.
  8. Epheser 1,20.
  9. 2. Korinther 12,10.
  10. Römer 8,29.
  11. 2. Korinther 12,10.
  12. https://www.crossway.org/articles/strength-in-weakness

 

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